Warum bin ich hier?

Vor einigen Wochen fragte mich eine Bekannte nach meinem Beruf. Ich erzählte ihr von der bevorstehenden Glücksbringer-Gründung, dem damit verbundenen Umbruch in meiner Biographie und der Entscheidung, mein bisheriges berufliches Leben hinter mir zu lassen. Nach über 25 Jahren als Wirtschafts-Ingenieurin in der Industrie habe ich mich entschieden, ein soziales Dienstleistungsunternehmen zu gründen. Daraufhin hat sie mir ein Buch empfohlen: „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky.

Nun bin ich wahrlich kein Fan von Live-Coaching und Ratgeber-Literatur. Erst recht nicht, wenn sie mit schriftstellerischer Kunst in eine „nette“ Geschichte eingebaut wurde. Da bin ich lieber autodidaktisch unterwegs. Zumal ich eh davon überzeugt bin, dass echte Lebenserfahrung besser für die Entwicklung der Persönlichkeit ist als jedes Buch der Welt. Trotzdem hat mich dieses Buch berührt und mir mehrfach ein Lächeln der Erkenntnis ins Gesicht gezaubert.

Ich habe mich beim Lesen in die Weisheit der grünen Meeresschildkröte (1) verliebt und tief im inneren eine Gewissheit entdeckt, die sich wie ein Schatz anfühlt und mich ermutigt, den eingeschlagenen Weg Schritt für Schritt weiterzugehen.

(1) Wenn sich eine Welle auf das Ufer zubewegte und der Schildkröte ins Gesicht schwappte, ließ diese sich treiben und paddelte gerade so viel, um ihre Position zu halten. Und wenn die Welle wieder zum Ozean hinausströmte, paddelte sie schnell, um die Bewegung des Wassers zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die Schildkröte kämpfte nie gegen die Wellen an, sondern nutzte sie für sich.

Vor ein paar Monaten sah alles noch ganz anders aus:

Anstelle der Gewissheit war Unsicherheit und von einem Schatz war bis auf ein diffuses Gefühl und ein paar netten Ideen nichts zu sehen.

Was ich bereits wusste:

Ich wollte keine Konzern-Angestellte mehr sein und raus aus dem höher-schneller-weiter-mehr-Hamsterrad. Meine neue berufliche Tätigkeit sollte gesellschaftsrelevant sein und Gewinnmaximierung nicht im Mittelpunkt stehen.

Da ich mich weder zur Politikerin, Pfarrerin, Lehrerin oder Künstlerin berufen fühle, begann ich über Unternehmertum nachzudenken. Als ich zum ersten mal die Definition eines Sozialunternehmens hörte, wurde mein innerer Kompass aktiv:

Ein Sozialunternehmen hat den Anspruch, gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Mitteln zu lösen.

Das machte sofort Sinn für mich und ich meldete mich kurzentschlossen für eine Gründerinnen Masterclass an. Dort lernte ich das Handwerkszeug für resourcenorientertes Gründen und die Entwicklung von tragfähigen Geschäftsideen.

In meiner Biographie entdeckte ich die nächste Komponente:

Ein Band, das mich und Glücksbringer mit meiner Oma verbindet. Ich lernte von meiner Oma nämlich neben Singen und den Mund aufmachen wie wichtig Zeit, Zuwendung und ein offenes Ohr für Senioren ist. Meine Oma war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Sie hat diese Auszeichnung erhalten, weil sie sich Zeit ihres Lebens ehrenamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz für die Seniorenbetreuung in ihrem Landkreis und Dorf engagiert hat. Wenn ich an meine Oma denke, erinnere mich sofort an meine Auftritte als Engelchen in ihrem Kinderchor und die alljährlichen Weihnachtsfeiern mit den Senioren.

In meinen Familienwurzeln fand ich die erste Sicherheit, mit Glücksbringer das Richtige zu tun. Aber mit Ü50 gründen und ganz von vorne anfangen, geht das?

Anstelle von „geht das“ fragte ich lieber „warum sollte es nicht gehen“, schließlich habe ich vor 100 Jahre alt zu werden. Bis dahin ist genug Zeit, alles was sich Senioren im Alter wünschen auf den Weg zu bringen.

Für einen erfolgreichen Weg ist eine gute Begleitung unverzichtbar, da hat James Norbury völlig Recht. Ich hatte bisher wunderbare Begleiter:innen, bei denen ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke:

“Which is more important,” ask Big Panda, “the journey or the destination?”

“The company.” said Tiny Dragon.

James Norbury

DANKE

Maren für die Jopenau, Sabine für flow fotografieEva für magic mornings, Women’s Hub für Empowerment Days, Marion für Thinking Environment, Markus für Knoten lösenRicarda und Kathrin für Co-working Textwerkstatt, Tino & BILDHAUS für Grafik und Webdesign, Birte und Julia für eure Masterminds. Thomas, Maxl & Wiggerl für das Glück eurer Liebe!

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